Tupfer im Bauch vergessen: 8.500 Euro

Das unbemerkte Zurücklassen eines Fremdkörpers im Operationsgebiet ist dem voll beherrschbaren Bereich des Arztes bzw. der Klinik zuzuordnen mit der Folge, dass der Krankenhausträger bzw. die Ärzte die Darlegungs- und Beweislast für die Gewähr einwandfreier Voraussetzungen für eine sachgemäße und gefahrlose Behandlung tragen. Bleibt trotz eines Zählprotokolls, wonach sämtliches Verbrauchsmaterial nach dem Eingriff vollständig vorhanden war, ein OP-Tuch im Bauch der Patientin zurück, haftet der Arzt für die daraus entstehenden Folgen.

Die Patientin war am 07.12.2007 am Unterleib operiert worden, wobei von der Zählschwester ein Bauchtuch im rechten kleinen Becken vergessen wurde. In der Folgezeit litt die an Krebs erkrankte Patientin unter starkem Erbrechen und Schmerzen im Unterleib. Erst am 15.05.2008 wurde das OP-Tuch aus dem Unterbauch entfernt. Das OLG München hat ein Schmerzensgeld in Höhe von 8.500,00 € für angemessen gehalten. Zu berücksichtigen sei, dass es sich nicht um einen groben Fehler handele, weil die Beklagte bewiesen hatte, dass ein Zählprotokoll vorhanden sei. Danach sei sämtliches Verbrauchsmaterial überprüft und als vollständig vorhanden bestätigt worden. Die schwer erkrankte Patientin habe sich aber einer überflüssigen weiteren OP zur Entfernung des Tuches unterziehen müssen. Hinzugekommen sei die Angst der Klägerin, dass sich ihre Heilungschancen bezüglich der Krebserkrankung durch das Tuch verschlechterten. Sie habe über einen Zeitraum von mehreren Monaten unter der Ungewissheit gelitten, ob es sich bei dem Tuch nicht um einen erneuten Tumor handele.

(OLG München, Urteil vom 22.08.2013, AZ: 1 U 3971/12)

Christian Koch, Fachanwalt für Medizinrecht

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